Sa

23

Jul

2011

Böllerschiessen

Seit 6 Uhr Morgens hört man es heute durch`s Dorf schallen, von einer Bergwand zur anderen wird es geworfen, mal meint man, es käme von hinten, dann ist es, als ob es neben einem wäre, liegt man im Bett glaubt man, es käme zum Fenster rein und der Nachbar würde schiessen.

BÖLLERSCHIESSEN.

Eine lange Tradition hat es bei uns. Es wird bei Begräbnissen geschossen, während der Sarg in die Erde gelassen wird, wenn der Verstorbene ein Kriegsheimkehrer war oder wenn er in den "Böhlerwerken" gearbeitet hat.

 

Aber auch zu Hochzeiten wird geschossen. Um 6 Uhr Morgens beginnen sie dann, halbstündlich, immer mehrere Schüsse hintereinander. Damit auch sicher das ganze Dorf bescheid weiß.

 

Katzen verkriechen sich unter den Betten oder kommen tagelang nicht mehr nach Hause, Kinder wachen weinend auf weil sie Angst haben, Erwachsene erschrecken immer wieder.

Ich habe heute Morgen (da sowieso schon jeder im Dorf munter war) sehr früh mein Frühstücks-Gebäck vom Bäcker geholt und bin mit Finn zur Oma marschiert, bei der wir dann gefrühstückt haben.

Auf dem Heimweg entstand dieses Haiku:

 

 

gstolpert
auf`m hoamweg
böllaschiassn

 

 

Oma hat mir heute erzählt, sie hätte gestern eine Rehmutter mit zwei Geissen gegenüber meines Elternhauses den Hang rauf springen sehen. So lieb wären die gewesen, die Jungen nicht mehr gefleckt, also nicht mehr ganz so jung, aber voller Übermut und so schön friedlich anzusehen- und dann sei ein silbernes Auto gekommen (der Jäger) und alle drei wären plötzlich weg gewesen.

 

Und Oma meinte, wenn sie selber schiessen könnte, dann würde sie dem Jäger einen Böller in den Allerwertesten schiessen, dafür, dass er die Rehmutter mit ihren Jungen getötet hat.

 

Gut, dass meine Oma nicht schiessen kann. *schmunzel*

 

 

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Kommentare: 5

  • #1

    Caroline (Samstag, 23 Juli 2011 11:23)

    Liebe Sonja,
    die Rehmutter ist die "Geiss" und die Jungen sind die "Kitze", ich glaube, das ist auch in Österreich so. Auch haben die gerade nirgendwo Jagdzeit. Ach Sonja, wieso gleich wieder diese Leier: "Der böse Jäger hat die Mutter mit ihren armen Kindern getötet"!? Das Rehwild war weg, als das Auto kam. Was sagt uns das? Die Geiss kennt das Auto und hält sich fern, weil sie es als Gefahr einschätzt. Ein Reh kann innerhalb einer Sekunde erscheinen und verschwinden, da reichen ein paar Pflanzen und schon ist es unsichtbar. Das ist die Taktik des Rehs.
    Jedes Wild ist dazu so intelligent, dass es einen Ort meidet, der ihm als unsicher erscheint. Selbst wissen Rehe und Rotwild, nach entsprechender Erfahrng, was ein Schuss ist und was er bedeutet. Da läuft so mancher alte Rehbock und Rothirsch nur nachts zu nicht-jagdlicher Zeit. Wild ist nicht hilflos, sondern klüger als so mancher Leser, der das dann gleich so glaubt und ohne Verstand bei der Anti-Jagd-Hetze mitschreit. Wäre das alles so einfach - einfach totschießen - dann gäbe es schon lange kein Wild mehr. Aber niemand weiß ja mehr etwas über Rehe, weil sich fast niemand mehr dafür interessiert. Ich sah schon Großstädter, die nicht glaubten, dass es hier überhaupt Rehe gibt. Das ist die größere Gefahr, das Vergessen und die Gleichgültigkeit. Und dann wird das Wild herabgestuft zu Objekten, die entweder egal sind oder bestenfalls bemitleidet werden.
    Und das ist für mich deutlich zu wenig. Wer mit dem Wild läuft, kennt es und weiß es besser. Ich finde es schade, dass du da immer noch drüber hinaus bist. Nimm es mir nicht übel, dass ich das hier sage, aber ich würde es lieber sehen, wenn die Leute etwas lernen über Wild, wie sie wirklich lebt und denkt. Das hilft mehr.
    Grüße

  • JimdoPro
    #2

    Sonja (Samstag, 23 Juli 2011 11:28)

    liebe caroline, ich weiß schon was ein "kitz" ist. *schmunzel* meine oma sagte wortwörtlich "goassal"- so werden bei uns nicht nur kleine ziegen oder rehkitze genannt sondern auch kleine kinder. *kicher*
    da in letzter zeit bei uns öfter mal schüsse gefallen sind (richtung ybbsitz, mehrmals täglich) weiß ich nicht, ob das mit den zeiten so eingehalten wird.
    ich beobachte nur. und in dem fall hier hab ich nur weitergegeben was oma beobachtet hat.
    ob das wild nun tot ist oder nicht kann ich nicht beurteilen.
    ich selber hab weder das wild gesehen noch den jäger. ich hab nur omas geschichte erzählt. ;-)

    alles liebe, sonja

  • #3

    birgit (Samstag, 23 Juli 2011 13:52)

    das klingt ja grauslich das böllern
    ich hasse das schon an silvester
    weisst du wo dieser brauch herkommt
    was er eigentlich bezwecken sollte?
    lg birgit

  • #4

    Katja (Samstag, 23 Juli 2011 16:45)

    Auch wenn es manche Leute vielleicht stört...irgendwie gefällt mir die Tradition mit dem Böllerschießen. Viele Traditionen haben einfach etwas heimeliges an sich :)

  • JimdoPro
    #5

    Sonja (Samstag, 23 Juli 2011 16:53)

    @birgit: keine ahnung, wie lange es das bei uns schon gibt, die tradition an sich (in bayern und österreich) ist wohl so alt wie das schwarzpulver.... schützenvereine haben wir hier wohl nicht so wie in bayern, aber geschossen wird bei hochzeiten und begräbnissen.
    ich mag traditionen auch und finde es an sich auch net schlecht. aber muss ja net den halben tag von 6 uhr morgens an sein. die könnten das ja zum beispiel ab 9 uhr machen und mittags nochmal und dann is wieder gut. aber jede halbe stunde und so früh schon, alle leute die kleinkinder haben wissen, wie nervig das ist und dass die babys jedesmal aufwachen und schreien....

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