Di
13
Sep
2011
De Zigeina san do!
Als heute meine Schwiegermutter anrief und am Telefon erzählte, dass Zigeuner hinter ihrem Haus lagern würden und fragte, ob wir kommen wollten, war ich sofort hellauf begeistert und packte zusammen. Mit Finn, Mattias und meiner Schwägerin machten wir uns auf nach Ybbsitz.
Die Leute mit ihren Autos und Wohnwagen hatten sich auf der Wiese hinter dem Haus meiner Schwiegers aufgestellt, nachdem sie in Waidhofen offensichtlich vertrieben worden sind.
Als wir gerade ankamen und die Wohnwagen bestaunten kam auch schon die Polizei und wir erfuhren von den Anrainern, dass offensichtlich der Bauer dem die Wiese gehört, erlaubt hatte, dass sie hier lagern dürfen. Die Polizei schrieb alle Kennzeichen auf und fuhr dann wieder ab. Ich war schon zu Hause am nachdenken, wie ich die Leute begrüßen könnte und wollte ihnen etwas mitbringen. Da ist mir allerdings noch nichts eingefallen womit ich ihnen hätte eine Freude machen können.
Als wir dann zwischen den Fronten standen und die Äußerungen der Anrainer hörten (die stehlen, die nehmen Kinder mit, was machen die hier, warum grade hier, die soll`n sich „schleich`n“ die brauchen wir hier nicht, uns hat im Krieg auch keiner was gegeben, uns hat auch niemand geholfen, usw…) wurde mir persönlich klarer, warum es so wichtig war, da zu sein. Ich wollte dem entgegen wirken. Gemeinsam mit Mattias und der Schwägerin ging ich sofort, als die Polizei abgefahren war an der Wagenburg vorbei und pflückte ein paar Blumen. Die Frauen waren gerade dabei, es sich gemütlich zu machen, Sessel und Tische aufzustellen, die Männer stellten die Wagen in einer Reihe auf, Kinder spielten auf dem Weg neben der Wiese, es herrschte geschäftiges Treiben, fröhlicher Lärm machte sich breit und ich musste lächeln, weil ich es schön fand, so viele Familien gemeinsam zu sehen, die zusammen hielten und gemeinsam reisten. Auf dem Rückweg gab ich dann einer der älteren Frauen den gepflückten Blumenstrauß, sie lachte und war etwas peinlich berührt und einer der jüngeren Männer rief ein freundliches „Danke Madame“ über den Platz und winkte.
Etwas später kam auch der Bauer der die Wiese zur Verfügung gestellt hatte und er entschuldigte sich bei den Anrainern, sagte, dass die Polizei alle Kennzeichen notiert hätte und wenn etwas gestohlen würde, wüssten sie, auf wen sie zurückgreifen könnten.
Ich sagte ihm, dass ich kein Problem damit habe und dass ich sie mit Blumen begrüßt hätte, was ihn etwas erstaunte- und auch die Schwiegermama sagt ihm, dass es für sie in Ordnung ist.
Ich war nicht wirklich überrascht über die offenen Anfeindungen, da ich ja auch durch meine Beschäftigung mit den Flüchtlingen bei uns im Ort schon viel erlebt und gehört habe- aber es verblüffte mich, dass es noch immer so viele Vorurteile gibt, dass die Menschen noch immer so große Angst haben, sobald die Welt zu ihnen kommt…
Ich wünsche dem fahrenden Volk alles Gute auf ihrer Reise, ich wünsche den Kindern, dass sie in Frieden aufwachsen können und nicht überall mit Ablehnung konfrontiert werden. Ich wünsche ihnen viele Menschen, die sie herzlich begrüßen und ihnen einen Lagerplatz zur Verfügung stellen, ich wünsche mir, dass sie in jedem Ort an dem sie lagern jemanden haben, der sie mit Blumen willkommen heißt- ohne Vorurteile, einfach, weil sie Menschen sind.
Kommentare: 7
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#1
das fremde ist bedrohlich
diese menschen zeigen durch ihre lebensweise auf
dass auch ein anderes leben möglich ist
das allein ist bedrohlich
gerade auch für die obrigkeit
deshalb hat man ihnen alles angehängt was passiert ist und hätte passieren können
nur damit sich niemand mit ihnen verbindet
umso wichtiger sie freundlich zu begrüßen
danke dafür
lg birgit -
#2
Guten Morgen liebe Sonja!
Die nehmen die Kinder mit??? *meeegalach* Und.... essen sie die dann auf ode was :D ??? Herrlich!
Kennst Du den Film "Chocolat"??
Ich wär auch gleich hingelaufen mit großem Hallo. Vielleicht hätt ich eher noch überlegt, ob ich nicht zu aufdringlich wär ;-) . Aber Menschen, die viel rumkommen, kennen viele Geschichten, haben bestimmt viel zu erzählen.
Liebe Grüße, Alena -
#3
nein, die kinder werden nicht gegessen, aber sie essen katzen und ihre hunde wildern! (alles gestern gehört) *grins*
ich wollte auch nicht aufdringlich sein, ich dachte, die halten mich sicher für bescheuert, dass ich da rumschleiche und sie genauso begaffe wie die anderen nur grinse dabei. *lach* wahrscheinlich hatten die erst vor mir angst! aber der blumenstrauss sollte dann deutlich gewesen sein. heute halten sie ja irgendeine feierlichkeit ab (marienverehrung) da wär ich gern dabei, leider hab ich heute kein auto und komm nicht hin. :-((( möööööh -
#4
es ist beruhigend und sehr schön, daß es doch Menschen gibt, die das Fremde auch in unmittelbarer Nähe akzeptieren und freundlich begrüßen.
Liebe Grüße Birgit -
#5
Sintis ,Roma und Zigeuner werden schon seit Ewigkeiten von den Menschen als Aussätzige behandelt...
vor allem die Kath.Kirche hatte mit den Fahrenden Völkern immer so seine Probleme...
sogar die sehr guten und effektiven Zigeuner Wahrsagekarten wurden einst per Todesstrafe bzw. Teufelswerk untersagt ?
Menschlich gesehen ist das was da einst mit dem Fahrenden Völkern geschehen ist bzw. immer noch geschieht genau das Problem was die Menschen oft mit sogenannten Fremden auch heute noch haben...
sie integrieren nicht..nein sie diskretieren lieber...
aber sie gehen zur Kirche..und beten was das Zeug hält..
doch wir sind alle Kinder Gottes..ohne Ausnahme...
nehmt sie offen und mit den Herzen auf...so werden auch sie ihr Herz öffnen !
denn wir kommen alle aus einem Topf...
und denkt daran...Ursache und Wirkung
wer ausgrenzt setzt Grenzen ! -
#6
danke peter, für deinen beitrag.
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#7
Liebe Sonja!
Die essen Katzen? Cool! Die würd ich gerne einladen, hier im Dorf mal ein bischen aufzuräumen *lach*! Überall Katzengelump! Laufend sitzen se auf der Straße und betteln drum, überfahren zu werden! Und die Bauern, wo sie herkommen, scheren sich einen Dreck um die Tiere und deren Brut! Naja, so ein paar gute Rezepte für Katze wären da schon sinnvoll! Und die Felle erst *schwärm*.... *lach*, ich hör ja schon wieder auf... ich bin wohl heute nicht gesellschaftsfähig :-))))
PS: Ich weiß, dass das mit den Katzen essen 'nen Blödsinn ist. Oder doch nicht ;-)) ?
Gruß, Alena 
DAS YBBSTALER RAABENWEIB