Fr

28

Okt

2011

Schamanisch-christliches Nachtwachen

Schamanisch-christliches Nachtwachen

 

Wenn bei uns jemand stirbt, dann gibt es in der Nacht vor dem Begräbnis das „Nachtwachen“. Hierzu treffen sich die Verwandten und Bekannten des verstorbenen Menschen in der Kirche und beten den Rosenkranz um die Person „hinüber zu begleiten“…Früher war die Sitzordnung in der Kirche so, dass die Männer rechts und die Frauen links vom Gang saßen.

Es gibt einen „Vorbeter“ der die Einleitung spricht- meist in einer immer gleichbleibenden Tonlage und etwas schleppend, wodurch eine leicht tranceartige Stimmung erzeugt wird.

Er beginnt mit dem Beten und die anderen Männer auf seiner Seite fallen dann in die Gebete mit ein. Etwa ab der Hälfte eines Gebetes übernehmen die Frauen auf der anderen Seite und beten weiter, es entsteht durch das hin-und-her- wandern dieses „Singsangs“ so etwas wie eine „energetische ACHT“ im Raum. Die Acht steht für die Unendlichkeit, die endlose Schleife, die sich immer wiederholt, genährt von den tiefen Stimmen der Männer und den höheren Stimmen der Frauen, verstärkt durch das ständige wiederholen der immer selben Worte.

Ich durfte heute während der Nachtwache für eine liebe Verstorbene  zum ersten Mal fühlen und „sehen“ was während des Nachtwachens passiert.

Ich ließ mich in den Sog der Gebete fallen und reiste auf schamanische Weise zu der Verstorbenen um zu sehen, was es bei ihr bewirkt.

Als die Menschen in der Kirche zu beten begannen und diese Endlos-Schleife entstand, die immer hin und her wanderte zwischen den betenden Menschen, da wurde die Verstorbene aufmerksam auf uns, sie drehte sich zu uns um und verabschiedete sich von einzelnen Personen, von ihren Angehörigen, von Freunden und Bekannten.

In den Momenten, wo beide Gruppen (Männer und Frauen) gleichzeitig beteten, entwickelte sich aus der energetischen ACHT ein KREIS und aus dem Kreis entstand eine Spirale, die die Verstorbene weg zog, Richtung Totenreich.

Da diese Sequenzen aber nur kurz waren, kam sie immer wieder zurück und war den betenden Menschen sehr nahe.

Ich bat die Verstorbene zu mir, reichte ihr die Hände, und fragte sie, ob sie mir noch etwas zu sagen hätte, bevor sie geht. Sie erzählte mir von einem Geschenk, das sie mir zu Lebzeiten einmal gemacht hatte und erklärte mir, was ich damit machen müsse, damit es mir im Leben weiterhilft. Ich bedankte mich und wünschte ihr alles Gute für ihren Weg, wir weinten ein bisschen und ich fiel wieder in die Gebete mit ein.

Ich hörte gleichzeitig, wie die Menschen beteten: „Das ewige Licht leuchte ihr“ und sah, dass sie eine Laterne trug. Je öfter der Satz in der Kirche wiederholt wurde, desto kräftiger leuchtete das Licht in

der Laterne.

Nachdem der Rosenkranz fast zu Ende gebetet war, rief der Vorbeter alle Heiligen auf und besiegelte mit einem immer wiederkehrenden „BITT FÜR SIE“ damit den Kreis, der sich zu einer Spirale formte und die Verstorbene wieder weg zog von uns. Ich sah sie in Richtung einer Brücke gehen, die über einen Fluss führte und kurz war ich in Versuchung geraten, mit ihr zu gehen, da holte mich mein Krafttier zurück indem es meine Kleidung mit den Zähnen packte und mich zurück holte. Ich fiel wieder in die Gebete mit ein und trennte mich von der Vorstellung, mit zu gehen.

Gegen Ende der Nachtwache beteten wieder beide Gruppen gleichzeitig und ich sah, wie die Verstorbene ihren schon vor Jahren gestorbenen Mann antraf, den sie innig umarmte und küsste und mit dem sie Hand in Hand immer weiter in die Ferne rückte, die leuchtende Laterne in der Hand.

„Das ewige Licht leuchte ihnen“…

 

Die Menschen verließen die Kirche und gingen nach Hause.

Am nächsten Tag konnte das Begräbnis stattfinden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4

  • #1

    Otti (Freitag, 28 Oktober 2011 09:40)

    Sonja, das muss ein wunderschöner Moment gewesen sein...
    würde es auch gerne einmal erleben ...

  • #2

    Judith (Freitag, 28 Oktober 2011 11:04)

    Sehr schöne Worte,
    Huste-Grüße aus Wien, Judith

  • #3

    Joe White Wolf (Freitag, 28 Oktober 2011 12:56)

    Vielen Dank für Deine Ausführung!
    JA, es ist eine Führung und es ist eine sehr intensive gewesen, denn ich konnte es ganz stark spüren.
    Die ACHT mit dem Lichtkreis in der Mitte und wie die Dame dann in der Lichtspirale entschwand, habe ich so deutlich gesehen und gefühlt - nein, miterlebt, dass ich soagr den Gesang hören konnte.

    Danke und es ist doch immer wieder ein erhabenes Gefühl, mit zu erleben, wenn Seelen ihren Weg gehen und ihr Ziel gefunden haben.

  • #4

    birgit (Freitag, 28 Oktober 2011 15:32)

    als unser nachbar gestorben ist
    haben seine kinder und die ganze familie die nächte mit ihm gewacht und gesungen
    und haben gefeiert und die kleinen kinder waren dabei ganz unbefangen und fröhlich
    ich habe nebenan wohl mehr geweint als die familie
    das fand ich so großartig einen toten so zu begleiten auf seinem letzten weg
    leider ist das in unseren familien hier in unserer stadt nicht mehr so üblich
    ganz wundervoll dein bericht
    danke
    lg birgit (aus kassel)

  • loading