Sa

10

Dez

2011

Schiachpercht und Hoberngoaß

SCHIACHPERCHTEN und HOBERNGOAß

 

Heute sind wir in Hollenstein am Perchtenlauf gewesen. Die Opponitzer "Hammerteufeln" bestritten die Mission Hollenstein mit Bravour.

Hier noch ein Text, den ich schon vor einigen Jahren zu diesem Brauch geschrieben habe:

 

Bei uns im Ybbstal- Niederösterreich wurde erst vor wenigen Jahren der Brauch der "Schiachperchten und Hoberngoaß" wiederbelebt, der etwa 100 Jahre lang nicht mehr ausgeübt wurde... und vom normalen "Krampus" ersetzt wurde, der eigentlich nur dazu da war, für die Kirche die bösen Kinder zu bestrafen, die nicht beten wollten.
Bei uns in Opponitz gibt es jetzt aber wieder die "Hammerteufel`n", die einen Perchtenverein gründeten.
Der Name entstand durch die Hammerschmieden die hier an der Eisenstrasse immer noch teilweise aktiv sind, und in denen Sensen, Sicheln und anderes Werkzeug hergestellt wurden.  
Bitte nicht falsch verstehen, die Perchten haben mit dem Teufel nichts zu tun, sondern sind abgeleitet von der „Bercht“, das weibliche, wilde, Dämonen jagende göttliche Weib, vergleichbar mit der indischen „Kali“ und „Pan“, dem Herren der Tiere und des Waldes, also der Sohn der „Berchta“, die ihren Namen auch an viele Städte und Ortschaften im Alpenraum weitergegeben hat- zum Beispiel Perg oder Perchtesgaden.
Die Perchten haben die Aufgabe, die Geister des Winters zu vertreiben und das neue Jahr willkommen zu heißen. Üblicherweise sollten sie in der Nacht vom 5. auf den 6.Jänner laufen, werden aber noch immer mit dem Nikolaus herumgeschickt….
Die "Hammerteufeln" machen nicht nur einen großen Umzug mit etwa 30 "Schiachperchten" , Fackeln, Schwefel und Rauch, usw... sondern sie kommen auch bei Bestellung mit dem Nikolaus ins Haus, bleiben da aber sehr brav, weil die Kinder ja nicht zu sehr erschreckt werden sollen.
Die Perchten sind in ihren Fellen und Holzmasken und mit den riesigen Glocken die
Es gibt den Brauch, dass Mütter am Abend im Beisein der Kinder eine Schüssel mit Milch auf den Küchentisch stellen, und einen Löffel für die "Hoberngoaß" dazulegen. (Es gibt auch Erzählungen, dass man sieben kleine Löffel dazulegen muss) Die „Hoberngoaß“ wird abgeleitet von der Percht, heute als Hexe dargestellt, ganz früher von der keltischen "Ceridwen" abgeleitet.  
Am Morgen wenn die Kinder aufstehen laufen sie natürlich als erstes zur Schüssel um nachzusehen, ob die Milch noch da ist oder nicht.
Natürlich ist die Milch weg- die Hoberngoaß hat sie gefressen (oder gar die Mutter? man weiß es nicht so genau)
Zudem soll man in der Nacht der Hoberngoaß keine Glut im Ofen haben, es soll Gerüchte geben, dass ein Bauer, der die Glut im Ofen vergaß angeblich sein Leben lang Pech hatte…  
Auch das "Kramperlstampern" gibt es noch, jetzt eben mit den Perchten. Mutige Kinder und Jugendliche gehen abends raus, und versuchen sich so nahe wie möglich ohne bemerkt zu werden an die Perchten anzuschleichen.
Es gibt aber auch Perchtenläufer, die geschickt ihre großen Glocken festhalten und sich an versteckte "Stamperer" von hinten anschleichen, und diese dann plötzlich scheppernd und springend fast zu Tode erschrecken.
(eine alte Erinnerung der Menschen an die Faszination der "wilden Jagd", bei der die Schüler der Druiden nachts eine Strecke zu gehen hatten, wo sie sich dem Geist der Alraune- Wurzel stellen mussten, der sie mit ihrer dunklen Seite konfrontierte. Wenn sie die Wegstrecke geschafft hatten, waren ihnen die Geister dieser Region dienstbar)
Ich gebe zu, ich versuche jedes Jahr, einem Percht eines der langen Fellhaare zu stehlen, und binde- wenn ich eines erwische- dieses Haar auf meinen Ahnenstab, es soll mir Glück bringen und Kraft geben für das neue Jahr.  

 

 

Da meine Kamera heute gestreikt hat, hat mein Schwiegersohn in Spe die Fotos zur Verfügung gestellt. :-) DANKE MANUEL!

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Kommentare: 3

  • #1

    Alena (Samstag, 10 Dezember 2011 22:38)

    Boa, wat gruselig *schauder*!

  • #2

    Maxi (Samstag, 10 Dezember 2011 23:23)

    Scheint wieder toll gewesen zu sein.
    Aber die Masken sind sowas von extrem schiach, obwohl sie so herrlich schön gemacht sind.

    Wie hat Finn reagiert?

  • JimdoPro
    #3

    Sonja (Sonntag, 11 Dezember 2011 12:56)

    finn hat es als mischung aus angst und faszination empfunden, einerseits wollte er alles ganz genau sehen und hat immer die leute zur seite egschoben damit er eine gute sicht hat, andererseits hat er immer ein bis zwei meter abstand gehalten, wenn sie zu nahe gekommen sind hat er sich gefürchtet. nach dem spektakel war er blitzartig im tiefschlaf, keine zwei minuten im auto und er hat geschnarcht. *hihi*
    wir haben ihm aber auch alles ganz genau erklärt, wir haben die männer schon gesehen ohne masken und er wusste, dass die nur verkleidet sind und dass sie ihm nix tun, dass wir ihn beschützen- er konnte sich immer hinter uns verstecken oder auf papas schultern sitzen, da fühlte er sich sicherer. :- )

    und ich hab lust gekriegt, meine eigene maske zu schnitzen, das werkzeug hab ich ja schon zu hause, fehlt nur noch das holz und inspiration für eine maske...

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