Fr

13

Jan

2012

Kartause Gaming und Naturpark Ötscher-Tormäuer

Nachdem ich Finn heute in den Kindergarten gebracht hatte, fuhr ich weiter nach Lunz am See, wo ich mich in ein Cafehaus setzte und warmen Kakao zum Frühstück trank. Ich beobachtete ein älteres Ehepaar und zwei weitere ältere Männer die schon um 8 Uhr morgens dort an der Bar saßen und Bier tranken, dazu Zigaretten rauchten und sich anschwiegen. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie ich meinen Lebensabend verbringen würde und sah mich definitiv nicht schweigend und Bier trinkend  an einem Tresen sitzen.  
Nachdem ich meinen Kakao getrunken hatte und dem freundlichen Kellner Trinkgeld gegeben hatte, packte ich meine Sachen zusammen und fuhr weiter nach Gaming um die Kartause für das Ethnologie-Forum zu fotografieren und dort ein bisschen spazieren zu gehen. Nachdem ich einmal rund um die Kartause gegangen war, ging ich noch rein in die Kirche, betrachtete die wunderschönen Deckenfresken und genoss die Stille dort, spazierte dann noch an der alten Mauer entlang und zwischen den Kartäuser-Häuschen hindurch, fand die spitzen Dächer wunderschön und stellte mir vor, wie es sein musste, hier zu wohnen. Ein kraftvoller Platz! Prompt kam ich an einem Häuschen vorbei, das zu verkaufen war. *lach*
Ich ging dann wieder zurück zum Auto um mich auf den Weg zu meinen Steinfreunden im Naturpark Ötscher-Tormäuer zu machen. Ich besuche sie regelmäßig und freue mich immer wieder über die vielen Inukshuks (Menschen aus Stein) am Strand.
Ein Stück weiter das Tal rein entdeckte ich eine wunderschöne Stelle am Fluss, smaragdgrünes Wasser, tosendes Rauschen, auf der gegenüberliegenden Seite ein riesiger Fels der in den Himmel ragte. Ich parkte, nahm meine Kamera und Tabak mit und ging runter zum Strand, begrüßte den Felsen drüben freundlich und schaute mich um. Plötzlich hörte ich ihn sagen: „Steh mal zwei Minuten still und horch!“
Ich legte die Kamere auf einen Stein, stellte mich hin und horchte. Und das Wasser rauschte durch mich hindurch und machte mich ganz ruhig und reinigte mich.
Ich lächelte. Da der Wind ziemlich stark wehte, hatte ich mich mit dem Rücken zum Wind gestellt und der Fels meinte: „Dreh dich um!“
Also drehte ich mich um und das Wasser rauschte noch lauter, der Wind blies mir ins Gesicht, ich wurde wieder durchgeputzt und es war einfach nur herrlich, ich atmete tief ein und sog die kalte Luft in mich, hielt die Handflächen nach unten und begrüßte die Erdenmutter, spürte, wie ihre Kraft mich von unten füllte, hielt die Handflächen danach zum Himmel, begrüßte den Himmelvater und spürte, wie es von oben in mich rein floss, legte die rechte Hand auf mein Herz, die Linke darüber und bedankte mich. Danach fand ich zwei wunderschöne Steine, Baumharz, Äste, Schwemmholz, ich habe soooo viele Geschenke auf diesem Strand gefunden, dass ich unmöglich alle hätte mitnehmen können. Also einigte ich mich mit dem Steingeist. Zwei der Steine durfte ich mitnehmen, die anderen legte ich wieder zurück. Und für das Holz sollte ich Tabak da lassen, also schleppte ich erst das Holz zum Auto und danach brachte ich Tabak an den Strand, verteilte ihn auf einem Stück Rinde und legte für die Himmelsrichtungen Steine dazu.
Ich verabschiedete mich vom Steingeist und fuhr zurück, über Scheibbs nach Ybbsitz, wo ich noch etwas fotografieren wollte. Dort gibt es ein Haus in dem es spukt, darin wurden vor langer Zeit Menschen gefoltert. Ich hatte darüber geschrieben im Ethnologie-Forum und wollte noch die versprochenen Fotos liefern.
Ich schaffte es gerade rechtzeitig, Finn vom Kindergarten wieder abzuholen, danach gingen wir beide zum Kirchenwirt essen und zum Abschluss haben wir noch drei Pakete für die Flüchtlingsfamilien runter gebracht ins Flüchtlingshaus.
Nun haben wir daheim warm eingeheizt und ruhen ein wenig aus, bevor wir meine Mama besuchen. Draußen schneit es jetzt dicke Flocken vom Himmel und ich fühl mich als hätt ich eine Woche Urlaub gehabt.  

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Kommentare: 7

  • #1

    INA-Lena (Freitag, 13 Januar 2012 16:44)

    Danke fürs mitnehmen auf diese kleine "Urlaubs"-Reise. Es ist immer wieder eine Inspiration, Deine Erlebnisse zu lesen.
    Ganz liebevolle Umarmung von INA

  • #2

    Susanne (Freitag, 13 Januar 2012 17:34)

    Liebe Sonja, ich habe oft hier bei dir mitgelesen, aber nun wird es Zeit zu gehen.
    Steine,Felsen die sprechen können,sind eine Nummer zu groß für mich.
    Alles Gute weiterhin!

  • JimdoPro
    #3

    Sonja (Freitag, 13 Januar 2012 17:42)

    liebe susanne, sie sprechen nicht über die oihren hörbar, sondern wenn man innerlich lauscht. ;-)

    herzgrüße an dich und wenn du wirklich gehst, dann wünsch ich dir eine gute reise auf deinem weg durchs leben.

    alles liebe, sonja

  • #4

    birgit (Freitag, 13 Januar 2012 18:29)

    allerliebste grüße
    danke für die wundervollen bilder
    ich kanns fast mitfühlen
    birgit

  • #5

    Nerthus (Freitag, 13 Januar 2012 18:29)

    Liebe Sonja,

    herzlichen Dank für Deinen wunderschönen Bericht und die tollen Fotos...
    Na, und dass Steine "sprechen", das kenne ich auch...als ich mal bei den Externsteinen war, hatte ich mit fünf Steine mitgenommen, die ich auch gefragt hatte. Sie waren einverstanden und ich hinterließ auch eine kleine Gabe.
    Als ich dann bei mir zu Hause war und sie in ein hübsches Körbchen legte, fingen sie an zu weinen, dass sie wieder zurück wollen. Ich sagte ihnen, dass ich bald wieder zu den Externsteinen fahre und sie dann wieder mitnehme. Glaub´ mir, sowas ist mir echt noch nie passiert. Irgendwann hatte ich sie wieder zurückgebracht und alle waren wieder glücklich und zufrieden.
    Liebe Grüße
    Nerthus

  • #6

    Ima (Samstag, 14 Januar 2012 00:40)

    danke fürs teilen :)

  • #7

    margot (Samstag, 14 Januar 2012 01:16)

    danke für den feinen ausflug heute... sitze in der warmen stube und hab durch deine bildhafte und lebendige erzählung das gefühl selbst dabei gewesen zu sein... was eine super abwechslung ist zum zahnenden fridolin ;)! Besonders angetan haben's mir die steinmenschen... freu mich schon auf weitere einträge :). lg, margot

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