KLOSTERARBEITEN UND SCHAMANISCHE EINFLÜSSE

 

Als Schamanin haben mich schon immer die Räume zwischen den Dingen interessiert. Zwischen Feuer und Luft, zwischen Wasser und Erde, zwischen den Welten und Ebenen. In der österreichischen Kultur gibt es heute noch Fetische, die in einer Zeit entstanden sind, als das Christentum auf das Heidentum traf. Fraisenketten zum Beispiel. An ihnen findet man Tierhaare, Knochen, heidnische Symbole wie Kröten – aber auch Kreuze mit Jesusfiguren. „Viel hilft viel“ wurde damals gesagt und so wurden diese Ketten Kindern bei Epilepsie, hysterischem Schreien, Fieber, Schüttelfrost und vielen anderen damals unerklärlichen Phänomenen um den Hals gehängt und zusammen mit dem „Fraisbrief“ (christlichen Gebeten zu 77 verschiedenen Arten der Frais) verwendet. Auch an die Stalltüren wurden solche Ketten gehängt, sie nannten sich „Stallbethen“- was zum Einen vom „beten“ abgeleitet wird, zum anderen von den „Bethen“, der christlichen Dreiergruppe der Heiligen Einbeth, Warbeth und Wilbeth. Die Ketten sollten das Vieh schützen und Böses fernhalten.

 

Klosterarbeiten sind nun die christliche Form der Heiligenverehrung. Die „schönen Künste“ stammen aus dem Mittelalter. Meine Idee war, die heidnische Form der Naturverehrung in diese Kunst einfließen zu lassen und an die Stelle der Heiligenbilder rückt nun die Natur in den Vordergrund. Füchse, Marder, Mufflons und andere Tierschädel sind symbolisch für die Natur zu betrachten, schamanische Krafttiere als Pendant zur Mutter Gottes. Nicht weniger heilig, nicht weniger wichtig, je nach Glauben. Und es ist eine Verbindung und Aussöhnung mit der Kirche, denn im Grunde verehrt man so oder so das Göttliche.

 

Das Heilige in jedem Blatt sehen, das Göttliche im Wunder der Natur. Jeder Berg ist heilig, jedes Tier, jeder Stein. So werden Tierschädel mit Blattgold veredelt und mit Blütenranken aus Echtgolddrähten und mit Wachsperlen geschmückt.